Wie der medikamentöse Abbruch wirkt
Die Behandlung verbindet zwei Wirkstoffe. Mifepriston blockiert das Hormon Progesteron, das die Schwangerschaft erhält. Ein Prostaglandin, meist Misoprostol, wird ein bis zwei Tage später angewendet und lässt die Gebärmutter sich zusammenziehen, sodass sie das Schwangerschaftsgewebe ausstößt. Die Weltgesundheitsorganisation beschreibt diese Kombination in ihrer Leitlinie zur Abortion Care von 2022 als sichere und wirksame Methode. Dosierung und Zeitpunkt legt immer die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt fest.
- Ohne Eingriff und ohne Narkose
- Ablauf über ein bis zwei Tage, die Blutung hält danach oft noch einige Tage an
- Behandlung im Rahmen der ärztlichen Versorgung, mit Vorgespräch und Nachkontrolle
Bis zu welcher Woche die Methode angeboten wird
In Deutschland wird der medikamentöse Abbruch in der Regel früh in der Schwangerschaft angeboten, meist bis zum Ende der 9. Woche nach dem ersten Tag der letzten Periode. Die WHO-Leitlinie beschreibt die Methode auch für spätere Wochen, dann mit angepasstem Vorgehen und oft stationär. Welche Woche bei Ihnen vorliegt, klärt der Ultraschall. Die rechtlichen Fristen erklärt die Seite abtreiben wann.
Der Ablauf Schritt für Schritt
Vorgespräch und Untersuchung
Die Ärztin oder der Arzt bestätigt die Schwangerschaft und die Woche per Ultraschall, fragt nach Vorerkrankungen und Medikamenten und erklärt den Ablauf. Nach der Beratungsregelung bringen Sie den Beratungsschein mit, siehe Beratungsstelle Schwangerschaftsabbruch.
Erster Termin
Sie nehmen das erste Medikament in der Praxis ein. Viele Frauen spüren danach zunächst wenig.
Zweiter Schritt
Ein bis zwei Tage später folgt das zweite Medikament, in der Praxis oder nach ärztlicher Anleitung. Innerhalb einiger Stunden setzen meist Krämpfe und eine Blutung ein, die stärker als eine Periode sein kann. Die Praxis bespricht vorher, welche Schmerzmittel geeignet sind.
Nachkontrolle
Nach etwa zwei Wochen prüft eine Nachuntersuchung oder ein Test, ob die Schwangerschaft vollständig beendet ist. Das Vorgehen dafür legt die Praxis fest.
Was für und was gegen diese Methode sprechen kann
Die Wahl zwischen medikamentösem und operativem Schwangerschaftsabbruch ist persönlich und medizinisch. Diese Punkte nennen Leitlinien und Fachgesellschaften häufig:
- Für viele angenehm: kein Eingriff, keine Narkose, der Ablauf fühlt sich natürlicher an.
- Zu bedenken: der Ablauf dauert länger, Blutung und Krämpfe können deutlich sein, und es braucht eine Nachkontrolle.
- In seltenen Fällen ist die Schwangerschaft nicht vollständig beendet. Dann folgt eine weitere Behandlung, manchmal eine Absaugung.
- Bestimmte Erkrankungen sprechen gegen die Methode. Das klärt das Vorgespräch.
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Melden Sie sich sofort bei der behandelnden Praxis oder rufen Sie den Notruf 112, wenn eines dieser Zeichen auftritt:
- Sehr starke Blutung, etwa wenn Sie über zwei Stunden hinweg jede Stunde zwei große Binden durchnässen
- Fieber über 38 Grad, das länger als einen Tag nach dem zweiten Medikament anhält
- Starke Schmerzen, die mit Schmerzmitteln nicht besser werden
- Übelriechender Ausfluss oder starkes Krankheitsgefühl
Die Praxis gibt Ihnen eine Telefonnummer für Fragen nach der Behandlung.
Nach dem Abbruch
Die meisten Frauen fühlen sich nach wenigen Tagen körperlich wieder normal. Die nächste Periode setzt meist nach vier bis sechs Wochen ein, eine neue Schwangerschaft ist schon vorher möglich. Über Verhütung können Sie direkt beim Vorgespräch sprechen. Wenn Sie emotional Unterstützung möchten, finden Sie Telefonnummern und Anlaufstellen unter Hilfe und Beratung.
Kosten
Ob Sie selbst zahlen oder die Krankenkasse die Kosten trägt, hängt vom rechtlichen Weg und Ihrem Einkommen ab. Die Seite Kosten für eine Abtreibung erklärt die Regeln und die Kostenübernahme.
Quellen dieser Seite
- Weltgesundheitsorganisation, Abortion care guideline, 2022
- Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Leitlinie zum Schwangerschaftsabbruch im ersten Trimenon
- Royal College of Obstetricians and Gynaecologists (RCOG) und International Federation of Gynecology and Obstetrics (FIGO), Empfehlungen zur Abortion Care
Diese Seite ist allgemeine Information und keine medizinische Beratung. Medizinische Entscheidungen treffen Sie gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt.